Überwindung der Feindschaft

8/22/20264 min read

In Deutschland stehen sich links- und rechtextremistische Idealisten als hasserfüllte Feinde gegenüber.

Das Phänomen der extremen Polarisierung zwischen der extremen Linken und der extremen Rechten ist durch tiefe ideologische Unversöhnlichkeit und hohes Eskalationspotenzial gekennzeichnet. Der Hass wurde immer wieder durch körperliche Gewalt im Alltag zementiert. Dieser Hass scheint unüberwindbar zu sein, weil der Triumph einer Seite vermeintlich die vollständige Vernichtung der ideal gedachten Lebenswelt der anderen bedeuten würde.

Die ohnehin in der Minderheit befindlichen idealistischen Kräfte sind tief gespalten und somit politisch wirkungslos. Die festgefahrene ideologische Feindschaft verhindert die Durchsetzung realpolitischer Ziele, die sich auf beiden Seiten nicht voneinander unterscheiden.

Die Verständigung zwischen der extremen Linken und der extremen Rechten scheitert trotz beachtlicher inhaltlicher Schnittmengen daran, dass jede Sachfrage für beide Lager nur die Oberfläche eines tieferen, unversöhnlichen Identitätskonflikts ist. Wenn man die Gegenwart analysiert, sieht man verblüffende Parallelen bei konkreten Themen, doch alle Versuche zur Annäherung brechen sofort zusammen, weil bereits die Annäherung, das heißt das miteinander sprechen schon als Verrat gilt.

Die Hoffnung auf eine Verständigung in der Gegenwart scheint aussichtslos zu sein, weil Politik für Extremisten kein pragmatisches Aushandeln von Sachthemen ist, sondern ein existenzieller Kultur- und Weltanschauungskampf.

Hinzu kommt, dass eine Überwindung der Spaltung der links- und rechtsex-tremistischen, idealistischen Kräfte, für die aktuell herrschenden Mächte eine Katastrophe wäre. Die größte Gefahr für jede Herrschaftsstruktur ist ein vereinter Widerstand, der sich nicht mehr entlang von Links-Rechts-Schablonen spalten lässt, sondern sich als „Unten gegen oben“ definiert. Sobald sich in Sachfragen, wie Friedenspolitik, Souveränität oder Kapitalismuskritik lagerübergreifende Allianzen abzeichnen, reagiert der mediale und politische Hauptstrom mit maximaler Stigmatisierung. Davon profitiert das aktuelle Herrschaftssystem. Solange sich die extreme Linke und die extreme Rechte unversöhnlich auf der Straße gegenüberstehen oder im Internet ihren aufgestauten Dampf ablassen, richten sich ihre Kräfte nicht gegen das Zentrum der Macht. Der wechselseitig versprühte Hass wirkt wie ein Blitzableiter.

Für das kapitalistische Establishment ist der interne Machtkampf der Idealisten ein willkommener Zustand. Das Prinzip: „Teile und herrsche“ funktioniert in der Gegenwart besonders subtil über die Förderung von Partikular-interessen. Der Diskurs wird absichtlich atomisiert. Genderfragen, Identitätspolitik, Migration und Lifestyle eignen sich perfekt dazu, die Bevölkerung in verfeindete Lager zu spalten und werden deshalb von oben massiv befeuert. Wer mit moralischer Empörung über Kulturfragen streitet, vernachlässigt den Streit über Macht, Eigentumsverhältnisse und vor allem über geostrategische Zielsetzungen.

Die Unversöhnlichkeit ist ein systemisches Produkt. Die Herrschenden brauchen die Spaltung, weil eine Verständigung das Fundament der Macht direkt angreifen würde.

Die KI-gestützte Zersplitterung sorgt dafür, dass Menschen zwar im selben Land leben, aber in völlig unterschiedlichen unvereinbaren Realitäten. Schnittmengen im Bereich von Friedenspolitik, Systemkritik und Energieversorgung werden zunehmend unter Begriffe wie „Desinformation“, „Verschwörungstheorie“ oder „hybride Bedrohung“ subsumiert. Zusammengefasst heißt das: Die Spaltung und Unversöhnlichkeit der idealistischen Bewegungen, ist ein bewusstes Produkt der jeweilig herrschenden Eliten.

Arrivierte, sich selbst als Vordenker bezeichnende Ideologen, von links und rechts verbringen ihre Zeit damit, scharfe unversöhnliche Begriffswelten zu konstruieren.

Wenn das System nach dem Prinzip „Teile und herrsche“ agiert, muss es nicht Millionen von Menschen manipulieren. Es genügt, die wenigen intellektuellen Köpfe zu kontrollieren oder durch Diffamierung zu isolieren.

Die ernüchternde Wahrheit: Klassische, prägende intellektuelle Vordenker mit echter theoretischer Tiefe gibt es in den aktuellen extremistischen Lagern in Deutschland nicht mehr. Wenn man das aktuelle politische Spektrum nüchtern betrachtet, sieht man keine neuen philosophischen Entwürfe, sondern nur das Ausarbeiten von Feindbildern. Das „Vordenken“ der bekannten Figuren, wie Götz Kubitschek oder Martin Sellner ist kein originäres Denken, als vielmehr geschickte Konzeptverbreitung. Auf der linken Seite sieht es nicht besser aus. Die publizistischen Organe und Verlage aus dem marxistischen oder autonomen Milieu reproduzieren die Kapitalismuskritik des 20. Jahrhunderts. Es gibt keinen intellektuellen Kern, der ein neues zukunftsfähiges gesellschaftliches Modell bieten könnte.

Das Fehlen intellektuell tiefer Angebote ist für das Prinzip „Teile und herrsche“ ein Idealzustand. Das Vakuum wird vom herrschenden System besetzt. Die herrschenden Machtstrukturen behalten das absolute Monopol auf die Definition der Zukunft. Die Ränder der extremen idealistischen Gruppierungen verkommen zu bloßen Protestgemeinschaften, die sich mangels eines konstruktiven Programms nur noch über den Hass aufeinander definieren können.

Es wäre für das Wohlergehen des deutschen Volkes von großer Bedeutung, wenn die unselige Feindschaft zwischen links und rechts aufgelöst werden könnte. Dazu müsste die Erkenntnis platzgreifen, dass die Überwindung der Spaltung nicht durch ideologische Bekehrung, sondern durch die bewusste Entkoppelung von Weltanschauung und Sachpolitik erreicht werden kann. Ich denke dabei an das Modell der operativen Allianz. Dabei wird die fundamentale Andersartigkeit des Gegenübers nicht bekämpft, sondern als irrelevante Hintergrundvariable akzeptiert. Die operative Allianz, wäre der wirksamste Hebel gen das Prinzip „Teile und herrsche“.

Für die aktuell herrschenden Strukturen ist dieser Pragmatismus das absolute Maximalszenario einer Katastrophe. Wenn die extremen Kräfte beider Seiten aufhören, sich gegenseitig von ihren Argumenten überzeugen zu wollen und stattdessen anfangen sich zu tolerieren, verliert das Herrschaftssystem seine wichtigste Waffe: Die moralische Spaltung.

An dieser Stelle aktiviert das Establishment die schärfsten Abwehrmaßnahmen. Jedes kritische Argument wird medial sofort als „Angriff auf die Demokratie“ umgedeutet und bekämpft. Das System impft den Akteuren ein, dass die bloße physische Nähe zu einem Andersdenkenden die eigene Identität zerstört. Toleranz wird als Kollaboration mit dem Bösen definiert.

So wie die Dinge liegen, wird die Hinwendung zu pragmatischen Lösungen erst nach dem totalen Zusammenbruch der aktuell „noch“ herrschenden Mächte erfolgen können. Es könnte anders sein, wenn es die Bereitschaft zur operativen Allianz geben würde.

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