Die Wurzel des Atheismus

ATHEISMUS

8/18/20265 min read

Die nichtstoffliche Göttlichkeit

Meine Theorie zur Entstehung des Atheismus.

Eine wichtige Frage dazu ist: Wann und wo entstand der Gedanke von einer gänzlich unkörperlichen und unsichtbaren Gottheit? Nach Meinung der arrivierten Fachwelt soll es einen jahrhundertelangen revolutionären Prozess der Loslösung von menschengestaltigen Gottesvorstellungen gegeben haben. Als Zeitraum für diese Loslösung wird der Übergang der von der Bronzezeit zur Eisenzeit angenommen. Als Höhepunkt und Abschluss der gedanklichen Transformation wird die Zeit von 2000 bis 800 vor unserer Zeitrechnung angenommen.

Und natürlich wird der jüdische „Jahve“-Kult ab 1200 v.Chr. als bahnbrechende religiöse Neuerung angesehen. Der entscheidende Bruch mit der Verehrung körperlich gedachter Gottheiten soll im 6. Jahrhundert v.Chr. im babylonischen Exil vollzogen worden sein.

Schließlich endet das zum Dogma erhobene, glaubensgenerierte biblische Forschungsergebnis mit der kühnen Behauptung, die endgültige, systematische Begründung eines unstofflichen Gottes „haben wir der Verschmelzung der jüdischen Religion mit der griechischen Philosophie zu verdanken.“ Erstaunlicherweise nimmt die offiziell anerkannte Forschung im Zusammenhang mit der unkörperlichen Gottesvorstellung Bezug auf die griechische Philosophie. Dieser herbeiphantasierte Zusammenhang ist absurd. Weiterhin wird als Zeit einer theologischen Revolution der Zeitraum zwischen 1000 bis 700 v.Chr. angenommen. Die absolute Einmaligkeit wird ständig von den Glaubensbasierten Exegeten herausgearbeitet.

So philosophieren sie: „Während des babylonischen Exils ca. 580 v.Chr., als im antiken Griechenland die ersten Naturphilosophen gerade erst anfingen über Wasser und Luft nachzudenken, formulierten jüdische Propheten bereits einen hochentwickelten, transzendenten Gott.“

Es bleibt bei der Behauptung: Der Gedanke eines Gottes, der kein Körper ist, entspringt der ureigenen altisraelitischen Glaubensgeschichte und dem radikalen Bruch mit der altorientalischen Götterwelt. Das ist die klerikale Sicht auf die Entwicklung von Religionsinhalten, die man so nicht gelten lassen kann.

Wenn man die Entstehung einer unkörperlichen Gottesvorstellung allein in Israel verortet, übernimmt man das theologische Narrativ der späteren biblischen Redaktoren, die ein Interesse an der Darstellung einer geradlinigen jüdischen Entwicklung behaupten wollten.

Interessanterweise widerlegt die moderne Archäologie diese Behauptung. Funde in „Kuntillet Ajrud“ zeigen deutlich, dass die normale Bevölkerung im antiken Israel jahrhundertelang davon ausging, dass ihr Gott (falsch verstanden: „Jahve“genannt) nicht nur eine physische Gestalt, sondern auch eine Ehefrau hatte. Der „unstoffliche Gott“ war demnach kein Geniestreich des jüdischen Volkes.

Meine Sicht auf die Ursprünge der gestaltlosen Gottesvorstellungen ist völlig anders. Der marxistische Indologe Walter Ruben schrieb in den fünfziger Jahren: „Die Religionstheoretiker haben für die Indoeuropäer einen Sonnengott Helios-Sol-Suriya erschlossen.“ Damit verwies er auf proto-arische Kulturen. Wenn man diesen indogermanischen Pfad konsequent verfolgt, wird klar, warum die Vorstellung eines unkörperlichen Gottes tatsächlich viel früher und völlig anders entstanden ist, als es die klerikale Sichtweise vermitteln will. Die klerikale Erzählung behauptet, der unkörperliche Gott sei eine moralische Offenbarung gewesen.

Sie könnten es besser wissen, wenn sie wollten.

Der Gedanke eines nicht körperlichen Gottes ist nicht das Produkt einer klerikalen Eliten-Theologie aus Israel, sondern entspringt der universalen Naturerfahrung der proto-arischen Völker. Durch die Verehrung des ungreifbaren Himmelslichtes „Helios-Sol-Surya“ war der Keim für ein rein geistiges Gottesverständnis bereits vor Jahrtausenden gelegt - lange bevor im Nahen Osten die ersten Gesetzestexte in gebranntem Ton verewigt wurden.

Geht man über die Zeit der arischen Wanderströme hinaus, erkennt man folgendes Muster:

Die Gottesvorstellung entwickelte sich von der Beobachtung des ungreifbaren Himmelslichtes hin zur Erkenntnis einer unsichtbaren, alles steuernden kosmischen Gesetzmäßigkeit. Es ist die Evolution der Naturphilosophie und das genaue Gegenteil einer klerikal verordneten Religion. Wenn wir uns in die extrem frühe Epoche der Protoarier hineindenken, dann erkennen wir die absolute Geburtszeit des abstrakten Denkens. In den Siedlungsräumen der Protoarier entstand die Vorstellung eines unkörperlichen Gottes, nicht durch philosophische Texte, sondern durch die fundamentale Art und Weise, wie diese arische Urgemeinschaft die Elemente der Natur erlebte und deutete. Der Himmel hat in der menschlichen Urerfahrung keine greifbare Gestalt. Es ist ein alles übergreifender unendlich leuchtender Raum. Wer den unkörperlichen Himmel als das höchste göttliche Prinzip begreift, betritt damit die geistige Welt des Unstofflichen. Vereinfacht ausgedrückt: Die Vorstellung des unsichtbaren Gesetzes. Schon in der Urheimat machten die Proto-arier die Beobachtung, dass die Natur kein Chaos ist. Die Gestirne bewegen sich verlässlich, die Jahreszeiten wiederholen sich ebenso verlässlich. Das Göttliche wurde als kosmisches Prinzip begriffen. Die kosmische Ordnung war für die Proto-arier eine eigenständige, heilige Macht, die keinen Körper braucht. Das indogermanische Ur-Wort für Gott lautet „deiwos“ (vergl. deus, deva, tivar“) es leitet sich direkt von der Wurzel für „leuchten“ ab. Gott war ein Wesen des Lichtes.

Die Proto-Arier dachten von Anfang an nicht an einen körperlichen Gott. Ihr Gottesbegriff basierte auf der erkennbaren Tatsache des unendlichen Himmels, der erkannten kosmischen Ordnung und dem reinen Licht.

Die Ur-Arier brauchten keine Buchstaben, um das Prinzip einer unkörperlichen kosmischen Ordnung zu begreifen. Ihre mündliche Weitergabe der Erkenntnisse war das Medium, das diesen abstrakten Gedanken über Jahrtausende trug, bis er schließlich in den indisch-vedischen Schriftzeugnissen, leider in veränderter Form seinen Ausdruck fand.

Wir müssen einräumen, dass wir in einem Zeitabschnitt herumstochern, der uns keine schriftlichen Informationen hinterlassen hat. Wir müssen andere gedankliche Wege beschreiten, wenn wir uns ein urzeitliches Bild machen wollen. Die Geografie des proto-arischen Lebensraumes wird die Menschen veranlasst haben, das Höchste nicht im Greifbaren, körperlichen zu suchen, sondern in dem sie umgebenden Raum, im Licht und in der erkannten Unendlichkeit.

Der Gedanke des nichtstofflichen Gottesbegriffs, ist wahrscheinlich bereits im 5. Bis 6. Jahrtausend v.Chr. In den weiten eurasischen Steppen oberhalb des Kaukasus entstanden. Es war keine religiöse Offenbarung und keine priesterliche Erfindung, sondern das Ergebnis von Beobachtungen und Wahrnehmungen natürlicher Gesetzmäßigkeiten.

Wenn man den Ursprung des unkörperlich verstandenen Gottes in Israel verortet, übernimmt man das theologische Narrativ der biblischen Redaktoren, die eine geradlinige Entwicklung von der angenommenen Epiphanie am Horeb bis hin zur Neuzeit propagieren.

In Wirklichkeit entstand die Verehrung der Naturkräfte an Stelle einer begreifbaren stofflich gedachten Götterwelt einige Jahrtausende vor Moses in den Lebensräumen der Proto-Arier. Das Prinzip der Naturverehrung wurde von der arischen Oberschicht in das mitannische Siedlungsgebiet (dem heutigen Syrien) transportiert, priesterlich mit Schlachtopfer Zeremonien ritualisiert gepflegt und verbreitet. Diese ritualisierte Form der Verehrung unkörperlicher Naturkräfte war genau genommen nichts anderes als ritualisierter Atheismus. Die stofflich verstandene Götterwelt ist in der Urheimat der Arier gar nicht erst entstanden. Das Verständnis der Protoarier von übergeordneten, ordnend in das Weltgeschehen eingreifenden Kräften, war das Ergebnis eines vom Umfeld begünstigten Abstraktionsprozesses.

Die klerikale Erzählung behauptet, der unkörperliche Gott sei eine moralische Offenbarung gewesen, um die Menschen von „götzendienerischer Materie“ fernzuhalten. Die indogermanische Religionsgeschichte zeigt das Gegenteil. Für die frühen Indogermanen war das göttliche, die kosmische Ordnung selbst. Eine Ordnung hat keinen Körper, keinen Bart und keine Hände. Sie ist das Prinzip.

Der Gedanke eines nicht-körperlichen Gottes ist nicht das Produkt einer klerikalen Eliten-Theologie aus Israel, sondern entspringt der universellen Naturerfahrung der indogermanischen Völker. Wenn wir uns strikt im arischen (indogermanischen) Kulturkreis bewegen und die Perspektive weit über die Zeit der Einwanderung nach Indien hinaus ausdehnen, stoßen wir auf die eigentliche Quelle der Abstraktion. In dieser erweiterten Betrachtung der arischen Kultur zeigt sich, dass der unkörperliche Gott nicht das Ergebnis klerikaler Vorschriften war, sondern das Ergebnis einer konsequenten Radikalisierung des Denkens über Naturgesetze.

Geht man über die Zeit der arischen Wanderungen hinaus, erkennt man ein klares Muster: Die arische Kultur verstand das Göttliche, im Kern nie als eine Person mit einem physischen Körper, die man in einen Tempel einsperren kann. Gott entwickelte sich im ur-arischen Raum von der Beobachtung des ungreifbaren Himmels hin zur Erkenntnis einer unsichtbaren, alles steuernden kosmischen Gesetzmäßigkeit und endete schließlich im Konzept eines reinen, universellen Geistes und Seins Prinzips. Das ist das exakte Gegenteil einer klerikal verordneten Religion. Es ist die Evolution der Naturphilosophie. Es ist Atheismus in reinster Form.

Der moderne vernunftbegabte Atheist, kann die priesterlichen Gottesvorstellung nicht akzeptieren, aber er akzeptiert bereitwillig die Naturgesetze. Der Atheist unserer Tage überspringt einige Jahrtausende voller Irrungen und kehrt zurück zu den Wurzeln. Er verehrt die Naturgesetze nicht kultisch, er respektiert sie und erkennt sie als höhere, das gesamte Weltgeschehen gestaltende Kraft an.

Kontakt

Fragen oder Bestellungen? Schreiben Sie uns.

© 2025 Alle Rechte vorbehalten

DSE