Der Krake und der Goldfisch
SATIRE
9/10/20261 min read


Der mächtige Krake hält einen vor langer Zeit erbeuteten Goldfisch immer noch mit seinen schleimigen Tentakeln fest umklammert.
Obwohl die Beute längst blutleer ist, versucht er in alter Gewohnheit, aus dem bereits stinkenden Kadaver noch verwertbare Flüssigkeit herauszusaugen. Erschrocken bemerkt er plötzlich, dass ein unbeachtet gebliebener kleiner Fisch zu einem gefährlichen Zackenbarsch herangewachsen ist. Das Schuppenkleid des wehrhaften Zackenbarschs nimmt bereits eine bedrohlich goldschimmernde Färbung an.
Der Krake erkennt die Gefahr. Nun ist guter Rat teuer.
Die bereits in Verwesung übergehende Beute will er noch nicht loslassen, doch der neuen Gefahr muss er ins Auge sehen.
Man kann dem Kraken viele Dummheiten vorwerfen, aber jetzt wird er gezwungen, der neuen Gefahr mit listiger Schläue zu begegnen. Er will seine Beute, den einstmals goldenen Fisch, nicht ganz fallen lassen, aber er weiß, dass er nur einen bereits abgestorbenen Kadaver im Griff hat. Er lockert den Griff um die schon wertlose Beute und greift mit den Saugnäpfen seiner Fangarme nach dem goldschimmernden Zackenbarsch.
Wenn es dem Kraken gelingt, sich dort festzusaugen, wird er eine neue vielversprechende Beute gefunden haben. Die alte nun zum Kadaver gewordene Beute wird fallen gelassen und der zur neuen Beute ausersehene Zackenbarsch kann, wenn er die Gefahr nicht rechtzeitig erkennt, ausgesaugt werden, bis er denselben Weg genommen hat, wie der einstmals fette, nun abgestorbene Goldfisch.
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